Alzheimer: KDA-Vorsitzender Kneppe fordert mehr Teilhabe für Erkrankte

Zum Welt-Alzheimertag fordert Helmut Kneppe, Vorsitzender des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA), ein Umdenken im Umgang mit der Krankheit: „Statt Erkrankte zu isolieren, müssen teilhabeorientierte Lebenssituationen geschaffen werden.“ Dabei sei die Gestaltung von reizvollen, anregenden Wohnsettings ein wichtiger Aspekt, so Kneppe, der die Verbesserung der Situation für Alzheimer-Erkrankte und ihre Angehörigen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe sieht.

In Deutschland erhalten jeden Tag etwa 900 Menschen die Diagnose Demenz. Häufigste Ursache für eine Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. Rund 1,6 Millionen Erkrankte gibt es laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft bereits in Deutschland. „Wissenschaftler haben Risikofaktoren ermittelt, zu denen auch physische Inaktivität und geringe soziale Kontakte gehören“, erläutert Helmut Kneppe. So seien Gespräche und die Gestaltung einer Umgebung, die Anregungen biete, bei der nicht-medikamentösen Behandlung ein wichtiger Aspekt, so der Vorsitzende des KDA. Der gemeinnützige Verein arbeitet seit fast 60 Jahren zu der Frage, wie ein selbstbestimmtes Leben im Alter gestaltet werden kann und beteiligt sich an der Nationalen Demenzstrategie.

„Mit dem Alter steigt das Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Mit der Alterung der Gesellschaft nimmt künftig also auch die Anzahl der Menschen mit dieser Hirnerkrankung zu.“ Dabei, so Kneppe, seien es vor allem Angehörige, die den „auch psychisch belastenden Kraftakt der Betreuung“ stemmen müssten. „Ein Schwerpunkt unserer Projekte liegt auf der Gestaltung altersgerechter Wohnformen, die auch die Bedürfnisse dementiell erkrankter Menschen berücksichtigen“, sagt Helmut Kneppe.

In diesem Zusammenhang verweist er auch auf das Strategiepapier „Wohnen 6.0“. Das Papier, das von Ursula Kremer-Preiß, Leiterin des Fachbereichs Wohnen und Quartiersentwicklung im KDA erarbeitet wurde, will Diskussionen zur Weiterentwicklung der aktuellen Wohn- und Versorgungslandschaft anregen – dies insbesondere auch mit Blick auf die älter werdende Generation der Baby Boomer und ihre Erwartungen. Leitbild dabei ist eine stärkere „Demokratisierung“ der mit dem Altern der Gesellschaft verbundenen Sorgeaufgaben. Pflegende und Gepflegte sollen über die Gestaltung des Pflegearrangements mehr (mit-)entscheiden. Es geht z.B. darum, auch für Menschen mit Demenz mehr Entscheidungsteilhabe durch „gestützte Entscheidungsfindung“ zu ermöglichen. „In einer entsprechend angepassten Lebenssituation finden Menschen mit einer Alzheimererkrankung Orientierung und Anregungen zum sozialen Austausch“, erklärt Helmut Kneppe.

Der KDA-Vorsitzende betont, dass die Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Demenz und der ihrer Angehörigen nicht nur eine Aufgabe der Politik und der Wissenschaft sei, sondern eine Aufgabe für die gesamte Gesellschaft: „Über die Gestaltung angepasster Wohnformen hinaus setzt die Integration und die Teilhabe von Menschen mit altersbedingten Einschränkungen einen Wandel der Gesellschaft hin zu einer sorgenden Gemeinschaft voraus. Wir sollten das Altern als Chance betrachten, die viele Möglichkeiten bietet, wenn wir die Möglichkeitsräume schaffen.“

 

Quellen:

  1. Deutsche Alzheimer Gesellschaft:
    https://www.alzheimer-bw.de/fileadmin/AGBW_Medien/AGBW-Dokumente/Infoblaetter-DAlzG/infoblatt1_haeufigkeit_demenzerkrankungen_dalzg_2020.pdf 
  1. Dementia prevention, intervention, and care: 2020 report of the Lancet Commission – The Lancet:
    https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)30367-6/fulltext
  1. Deut. Zentr. Neurodegenerative Erkrankungen DZNE:
    https://www.dzne.de/aktuelles/pressemitteilungen/presse/wie-umwelteinfluesse-das-gehirn-jung-halten-koennten/

Zum Kuratorium Deutsche Altershilfe Wilhelmine-Lübke-Stiftung e. V. (KDA): Das KDA ist gemeinnützig, unabhängig und überparteilich und steht unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Mitarbeiter aus vielen Bereichen, wie Sozialwissenschaftler, Psychologen, Gerontologen, Mediziner, Architekten, Stadtplaner, arbeiten sehr konkret seit knapp 60 Jahren zum Thema Zusammenleben der Generationen – etwa durch die Schaffung von Nachbarschafts-Netzwerken,  von Pflegestützpunkte in den Vierteln, die es ermöglichen, Zuhause zu leben, durch eine entsprechende Wohngestaltung.
Das Kuratorium Deutsche Altershilfe gestaltet die Gesellschaft des langen und selbstbestimmten Lebens aktiv mit. Als Ideengeber und Vorreiter für innovative Lösungsansätze leistet das KDA wertvolle Dienste für das Gemeinwesen. Der demografische Wandel wird dabei ausdrücklich als Chance verstanden.

Weitere Informationen: http://www.kda.de

Ein Summary des Strategiepapiers „Wohnen 6.0“ ist in der Fachzeitschrift „ProAlter“ (3/2021) veröffentlicht worden.

Im Rahmen der Nationalen Demenzstrategie hat das KDA zudem zusammen mit der NRW-Landesregierung und den Pflegekassen NRW das wegweisende Projekt „Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz“ umgesetzt:

Die Landesinitiative

Ansprechperson:
Solveig Giesecke, +49 30 / 2218298 – 58
solveig.giesecke@kda.de 

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