Nachbarschaftshilfe unterstützt Pflegebedürftige und Angehörige

Ergebnispräsentation des Projekts „Förderung von Nachbarschaftshilfe durch Servicepunkte“ mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Informelle Hilfe von Nachbar*innen, Freund*innen und Bekannten unterstützt und entlastet Pflegebedürftige und Angehörige in ihrem Alltag. Wie Nachbarschaftshilfe vor Ort durch sogenannte Servicepunkte gefördert werden kann, hat das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) von 2017 bis 2020 im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) untersucht.

In einer gemeinsamen Veranstaltung mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und Vertreter*innen  des Bundesministeriums für Gesundheit wurden am 29. Juni 2020 in Berlin die Projektergebnisse sowie eine multimediale Handreichung zum Aufbau von Servicepunkten und zur Förderung von Nachbarschaftshilfe vorgestellt und die Entwicklungsperspektiven erörtert.

Ziel des Forschungs- und Entwicklungsprojekts war es, anerkennungsfähige Nachbarschaftshilfe durch engagierte Einzelpersonen gemäß § 45a SGB XI zu fördern und die Versorgung von pflegebedürftigen Menschen in ihren eigenen vier Wänden zu verbessern.

Bundesminister für Gesundheit Jens Spahn: „Den Alltag von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen haben wir mit den Pflegereformen der letzten Jahre sehr viel besser gemacht. Besonders Demenzkranke werden besser versorgt, wir haben den Entlastungsbetrag erhöht und seine Verwendung vereinfacht. Damit diese Verbesserungen wirken, sind gute Angebote vor Ort notwendig. Die Vorschläge des Kuratoriums Deutsche Altenhilfe bieten eine gute Grundlage, die Rahmenbedingungen weiter zu verbessern.“

Die Ergebnisse zeigen auch, dass engagierte Menschen genauso wie Pflegebedürftige und Angehörige zielgerichtet informiert, beraten und begleitet werden müssen, damit Nachbarschaftshilfe im Rahmen des § 45 a SGB XI flächendeckend entsteht. Servicepunkte haben sich hier als ein wirkungsvoller Ansatz bestätigt, der eine hohe Anschlussfähigkeit zu Angeboten wie den Pflegestützpunkten hat.

Im Projektverlauf wurden 56 Servicepunkte eingerichtet und in fünf Bundesländern (Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland und Schleswig-Holstein) modellhaft erprobt. Die Servicepunkte unterstützen durch Information, Beratung, Begleitung und Vermittlung von Nachbarschaftshelfer*innen und stärken durch sozialraumbezogene Netzwerkarbeit lokale Sorgestrukturen und individuelle Hilfsnetzwerke.

Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt, Vorstandsvorsitzender des KDA: „Servicepunkte setzen an der Idee lokaler sorgender Gemeinschaften an, die vor dem Hintergrund sozialstaatlich gewährleisteter Sozialinfrastrukturen wohnortnah ausgestaltet werden müssen. Durch die Förderung des qualifizierten Engagements von Nachbarschaftshelferinnen und Nachbarschaftshelfern und die vernetzende Zusammenarbeit mit haupt- und ehrenamtlichen Akteuren entwickeln sie vor Ort multi-professionelle Settings. Letztendlich entstehen so integrierte und personenzentrierte Versorgungslandschaften. Damit sind Servicepunkte ein ebenso wirkungsvolles wie nachhaltiges Angebot.“

Die Servicepunkte wurden durch ein Qualifikationsangebot des KDA im Blended-Learning Verfahren aufgebaut und begleitet. Hierzu wurden die Case und Care Management-Potenziale bestehender
wohnortnaher Einrichtungen der Beratungs- und Ehrenamtsarbeit wie Pflegestützpunkte, Mehrgenerationenhäuser, Seniorenbüros und Freiwilligenagenturen durch das Qualifikationsangebot erweitert. Im Anschluss an die Qualifikation wurden die Umsetzung und Wirkung von Servicepunkten über 18 Monate begleitet und in Kooperation mit der Prognos AG evaluiert.

Da aufgrund der Kontakteinschränkungen nur eine begrenzte Teilnahme an der Veranstaltung in Berlin möglich war, konnte zusätzlich die Möglichkeit eines interaktiven Livestreams genutzt werden.

Eine grafische Dokumentation der Veranstaltung und weitere Informationen zum Projekt finden Sie auf der Seite www.einzelhelfer.de.

Ansprechpartner beim KDA: Christian Heerdt (030 / 2218298 – 22; christian.heerdt@kda.de)

schliessen