Nachbarschafts-Hilfe braucht Koordination

#KDAgegenEinsamkeit – Pflegereform sollte Netzwerke und integrierte örtliche Strukturen stärken 

„Viele Menschen sind bereit, in der Nachbarschaft zu helfen. Doch nicht immer finden sich das passende Angebot und die Nachfrage. Also braucht Nachbarschaftshilfe Koordination“, unterstrich Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA), anlässlich des Tages der Nachbarschaft. „Nach unserer Erfahrung mit dem Aufbau von Nachbarschaftsnetzwerken sollten die Hilfsstrukturen möglichst wohnortnah und niederschwellig organisiert werden“, so Zurkuhlen. Ziel des europaweiten Aktionstages ist es, das nachbarschaftliche Miteinander zu stärken, Isolation aufzubrechen und ein Zeichen für Solidarität und Vielfalt zu setzen.

Das KDA hat in fünf Bundesländern Nachbarschaftshilfe-Netzwerke aufgebaut und über sogenannte Servicepunkte koordiniert. Die Leistungen der Servicepunkte werden inzwischen vielerorts von Pflegestützpunkten angeboten. Hier werden ehrenamtliche Angebote zur Unterstützung im Alltag für pflegebedürftige Menschen wohnortnah gesammelt und bei Bedarf vermittelt sowie Versicherungen und Schulungen organisiert. Einen Anspruch auf Unterstützungsangebote im Alltag nach §45a SGB XI haben Menschen, die zuhause gepflegt werden.

Entlastungsbetrag für Aufwandsentschädigung

Um den helfenden Nachbarinnen und Nachbarn eine Aufwandsentschädigung anbieten zu können, wird ein Entlastungsbetrag in Höhe von 131 Euro je Monat gezahlt. Je nach Landesrecht ist für die Anerkennung als Nachbarschaftshelfer eine Registrierung oder auch eine niederschwellige Qualifizierung notwendig. In Nordrhein-Westfalen etwa finden interessierte Bürgerinnen und Bürger, die gerne helfen möchten, Informationen bei den Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz.

„Nachbarschaftshilfe ist ein wichtiger Bestandteil des persönlichen Hilfenetzwerks, das eine selbstständige Lebensführung im eigenen Zuhause unterstützt und stabilisiertZudem können aktivierte Nachbarschaften mögliche Folgen aus sozialer Isolation abmildern“, betonte Zurkuhlen. „Mit Blick auf den Wunsch der meisten Menschen, im eigenen Umfeld versorgt zu werden, sollte Pflege der Zukunft in Caring Communities gestaltet werden. Hierzu müssen Nachbarschaftsnetzwerke sowie integrierte örtliche Versorgungsstrukturen im Rahmen der Pflegereform deutlich gestärkt werden. Auf kommunaler Ebene braucht es die Verzahnung mit einer verbindlichen Pflegestrukturplanung.“  

Am 29. Mai 2026 findet erneut der Tag der Nachbarschaft statt. Dieses Mal steht er unter dem Motto: „Nachbarschaft feiern. Vielfalt erleben.“ Menschen in ganz Deutschland sind dazu eingeladen, Begegnungen zu schaffen und das Miteinander vor Ort zu stärken. Der Aktionstag wird damit bereits zum neunten Mal gefeiert. In diesem Jahr findet der Aktionstag zudem im Rahmen des bundesweiten Ehrentages (16. bis 31. Mai) statt, der von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt angestoßen und als deutschlandweiter Mitmachtag zum Geburtstag des Grundgesetzes am 23. Mai ins Leben gerufen wurde.

 Abschlussbericht zur Forschung „Förderung von Nachbarschaftshilfe durch Servicepunkte“

KDA-Strategiepapier zur Pflege der Zukunft

„Einwurf“ zu Caring Communities von Dr. Alexia Zurkuhlen im Magazin „Gesundheit + Gesellschaft“ der AOK, 02/2025

Vortrag von Martin Keller-Combé beim Forum Seniorenarbeit NRW im KDA zur Organisation Sorgender Gemeinschaften

Kontakt: Solveig Giesecke, Pressesprecherin des KDA, Tel. +49 30 / 2218298 – 58; Mail: solveig.giesecke@kda.de