Klimakrise, Altersarmut, Pflege: Warum diese Zusammenhänge gemeinsam gedacht werden müssen

#KDAgegenArmut 

Die Klimakrise ist auch eine soziale Frage – und im höheren Lebensalter wird sie besonders spürbar. Steigende Lebensmittelpreise, Hitzebelastung in schlecht gedämmten Wohnungen, wachsende Eigenanteile in der Pflege: Menschen mit geringen finanziellen und gesundheitlichen Ressourcen sind früher und stärker betroffen. Insbesondere in hochverdichteten Räumen wie in Großstädten leiden Menschen besonders etwa unter Folgen von Hitze. Das zeigen u.a. die aktuelle Klimarisiko-Analyse des Berliner Senats oder der Klimaschutz-Plan der Stadt Köln. 

Im Austausch mit Susu Dobner und Marianne Dobner von „Hallo Klima!“ und „queraum“ wurde deutlich, wie zentral eine sozial gerahmte Klimakommunikation ist. Klimagerechtigkeit entscheidet sich nicht abstrakt, sondern im Alltag – auch und gerade im Alter.  
 
Die Frage ist: Wie können wir über die Folgen der Klimakrise sprechen, so dass soziale Ungleichheiten sichtbar werden – ohne die Verantwortung einzelnen Menschen zuzuschieben?  

Klimakommunikation wirkt, wenn wir nicht nur über individuelles Verhalten sprechen, sondern über ungleiche Lebensbedingungen und fehlende Handlungsspielräume. Wenn wir offen nach Bedürfnissen und Sorgen im Zusammenhang mit der Klimakrise fragen, entstehen Räume, in denen Orientierung möglich wird und aus guten Vorsätzen motivierende Handlungen, die wirklich etwas bewegen.  

Klimafolgen verschärfen bestehende soziale Ungleichheiten im Alter 

Diese Perspektive wird zunehmend auch gesundheitspolitisch aufgegriffen. In einem gemeinsamen Papier der Deutschen Klima Allianz, der Diakonie und der Nationalen Armutskonferenz „Klimakrise und Armut gemeinsam bekämpfen“ werden die Auswirkungen des Klimas auf Menschen in ärmeren Verhältnissen deutlich aufgezeigt und Forderungen formuliert. Aktuell richtet sich ein neues Präventionsprojekt der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) explizit auf die Verbindung von Klimawandel, planetarer Gesundheit und ambulanter Pflege – ein bislang deutlich unterbelichtetes Feld. 

Auch Oxfam macht die soziale Dimension der Klimakrise sichtbar – international und in Deutschland. So wirken sich Orkane oder Überschwemmungen besonders verheerend auf ärmere, wenig geschütze und in der Mobilität eingeschränkte Menschen aus. Das gilt insbesondere für Menschen in vielen Ländern des globalen Südens. Aber auch in Deutschland werden die Bedarfe älterer und hilfsbedürftiger Menschen in Krisensituationen zu wenig berücksichtigt. Das zeigte sich etwa beim Ahr-Hochwasser. Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) forderte, Katastrophenschutz und Krisenpläne dringend anzupassen.

Zudem treffen etwa klimabedingte Preissteigerungen bei Lebensmitteln oder Verteuerungen fossiler Energien vor allem einkommensschwache Haushalte. Vor dem Hintergrund, dass laut Armutsbericht des Paritätischen bereits rund ein Viertel der Rentnerinnen und Rentner in Deutschland von Armut betroffen ist, wird deutlich: Klimafolgen verschärfen bestehende soziale Ungleichheiten im Alter.
 

Die Konsequenz ist klar: Nicht individuelles Verhalten steht im Zentrum, sondern es handelt sich um eine strukturelle Aufgabe. Klimapolitik, Pflegepolitik und Armutsbekämpfung müssen zusammengedacht werden – lokal, sozialräumlich und generationensensibel. 

Weiterführende Links: 

Klimarisiko-Analyse Berlin und Klimaschutz-Plan Köln 
 
Hallo Klima! und queraum 

Forderungspapier Klimakrise und Armut gemeinsam bekämpfen
 
Klima und ambulante Pflege – Projekt von KLUG 
 
OECD-Studie zu Armut bei Pflegebedürftigkeit 
 
Oxfam-Bericht Klima der Ungerechtigkeit 

KDA-Forderung nach Anpassung von Rettungs- und Krisenplänen


Fachkontakt: Nina Lauterbach-Dannenberg, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Unsere Kleine Farm I und II – Gutes Klima im Quartier im Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA)

Medienkontakt: Solveig Giesecke, Pressesprecherin des KDA: Tel. +49 30 / 2218298 – 58, 
Mail solveig.giesecke@kda.de