Das Kuratorium Deutsche Altershilfe Wilhelmine-Lübke-Stiftung (KDA) hat eine Stellungnahme zum aktuellen Stand der Überarbeitung der Nationalen Demenzstrategie (NDS 2027) verfasst. Darin wird betont, dass deren zukünftige Wirksamkeit weniger von zusätzlichen Maßnahmen als vielmehr von klar definierten strategischen, strukturellen und finanziellen Rahmenbedingungen abhängt. Christian Heerdt, wissenschaftlicher Leiter des KDA: „Die zentrale Chance der NDS liegt darin, den Lebensverlauf von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen konsequent in den Mittelpunkt zu stellen und Maßnahmen dort zu priorisieren, wo sie die größte Wirkung entfalten.“
Entscheidend sei, „diese von Anfang an mit tragfähigen strukturellen Rahmenbedingungen zu verbinden. Dazu gehören strukturierte Früherkennungsprozesse und Versorgungspfade, kontinuierliche Begleitung sowie der Aufbau verlässlicher Infrastrukturen gemeinsam mit Fachstellen. Nachhaltige Wirkung entsteht nur dann, wenn Maßnahmen sich konsequent an den Menschen orientieren und gleichzeitig so umgesetzt werden können, dass sie auch im System langfristig trage”, so Heerdt.
Im Zentrum der Stellungnahme steht die Forderung nach einem verbindlichen „strategischen Umsetzungskorridor“, der Zieldefinition, Priorisierung, Zuständigkeiten und Umsetzbarkeit vor Beginn der Arbeitsgruppen eindeutig festlegt, um inkonsistente Parallelentwicklungen zu vermeiden.
Als wesentliche Voraussetzung für eine nachhaltige Wirkung nennt die Stellungnahme den Aufbau einer gesicherten Umsetzungsinfrastruktur. Maßnahmen müssten systematisch in strukturelle Mechanismen wie leitliniengerechte und verbindliche Versorgungspfade, koordinierende Fachstellen und kontinuierliche Begleitstrukturen eingebettet werden, um über projektbezogene Einzelwirkungen hinaus flächendeckende Effekte erzielen zu können. Ergänzend wird die Entwicklung eines einheitlichen Wirkungsmodells mit klaren Indikatoren gefordert, das durch eine kontinuierliche wissenschaftliche Begleitung gestützt wird.
Verbindlichkeit in allen Bereichen schaffen
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Governance, Verbindlichkeit und Finanzierung. Fehlende Budgetklarheit, unzureichend definierte Zuständigkeiten sowie unbestimmte Förderlogiken gefährden die Umsetzung, heißt es. Daher wird ein verbindlicher Finanzierungsrahmen ebenso gefordert wie die klare Zuordnung von Verantwortung über die föderalen Ebenen hinweg.
Inhaltlich plädiert die Stellungnahme für eine konsequente lebensphasenorientierte Ausrichtung der Strategie – von Prävention und Früherkennung über Diagnostik und Begleitung bis hin zur palliativen Versorgung. Dabei sollen kontinuierliche Unterstützungsansätze, insbesondere durch Case Management, die bisher dominierende punktuelle Beratung ersetzen. Die Partizipation und zeitgleiche Entlastung im Versorgungsdschungel von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen soll fest verankert werden.
Perspektivwechsel hin zu vernetzten Maßnahmen
Vernetzung wird dabei als integraler Bestandteil aller Maßnahmen verstanden. Fach- und Koordinierungsstellen werden als zentrale Umsetzungsakteure hervorgehoben und sollen gestärkt werden. Zudem wird die Einrichtung von Innovationsclustern vorgeschlagen, um neue Ansätze systematisch zu erproben und in die Regelversorgung zu überführen.
Insgesamt fordert die Stellungnahme einen Perspektivwechsel von isolierten Maßnahmen hin zu strukturell verankerten, evidenzbasierten und verbindlich finanzierten Interventionen. Nur durch die enge Verzahnung von Strategie, Struktur und Umsetzung könne die NDS ihre intendierte nachhaltige und flächendeckende Wirkung entfalten.
KDA-Stellungnahme zur NDS 2027, Stand März 2026
Kuratorium_Deutsche_Altenhilfe__KDA__Stellungnahme_zur_Weiterentwicklung_der_Nationalen_Demenzstrategie.pdf
Fachkontakt: Christian Heerdt, wissenschaftlicher Leiter des KDA, christian.heerdt@kda.de
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