Die Mitarbeitenden sowie die Mitglieder der Gremien des Kuratoriums Deutsche Altershilfe Wilhelmine-Lübke-Stiftung (KDA) trauern um Prof. Dr. Gerhard Naegele. Er war seit 1984 Mitglied im Kuratorium des KDA.
Wir sind sehr dankbar für die langjährige Verbundenheit von Prof. Dr. Gerhard Naegele zum Kuratorium Deutsche Altershilfe und verlieren mit ihm nicht nur einen der führenden Vertreter der Sozialen Gerontologie und Vordenker, der sich über Jahrzehnte hinweg wissenschaftlich, politisch und praktisch auseinandergesetzt hat mit den Herausforderungen und Chancen des demografischen Wandels und den Diskurs geprägt hat. Prof. Dr. Naegele war einer der führenden Gerontologen sowohl in Deutschland als auch europaweit. Er verstarb am 22. April 2026 im Aurich.
Seine Forschungsschwerpunkte waren die Soziale Gerontologie, die Sozialpolitik, die Pflege- und Armutsforschung sowie die Folgen des demographischen Wandels. Nach einer Lehre zum Industriekaufmann studierte Naegele Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Universität Köln, wo er 1992 auch über „Soziale Ungleichheit im Alter“ promovierte. 1992 folge die Habilitation zum Thema „Älterwerden in der Arbeitswelt“ an der Universität Kassel.
In der Zeit von 1981 bis 1992 war er Professor für kommunale Sozialpolitik sowie Verwaltung und Organisation sozialer Dienste am Fachbereich Sozialarbeit der Fachhochschule Dortmund. Von 1992 bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2013 war Naegele Inhaber des Lehrstuhls für Soziale Gerontologie an der Technischen Universität Dortmund und Direktor des dortigen An-Instituts, der Forschungsgesellschaft für Gerontologie. Er setzte national und international wegweisende Impulse in Forschung, Lehre und Politikberatung. Seine Arbeiten zu den Themen Alterssicherung, Pflege, Arbeitswelt im demografischen Wandel, gesellschaftliche Teilhabe im Alter und generationengerechte Sozialpolitik gehören zu den grundlegenden Beiträgen der deutschen Altersforschung.
Im Mai 2003 wurde er in die Sachverständigen-Kommission zum 5. Altenbericht berufen. Er wirkte auch am 6. Altenbericht mit. Prof. Naegele war zudem für die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (European Foundation for the Improvement of Living and working conditions) in Dublin tätig, zuletzt bis 2020 als Sachverständiger im Beirat für die dortige Quality of Life Forschung.
Prof. Naegele ist Mitherausgeber der Dortmunder Beiträge zur Sozialforschung und Mitautor des Handbuchs „Sozialpolitik und soziale Lage in Deutschland“ (6. Auflage, 2020). Seit 2016 arbeitete er als Senior Researcher im Institut für Gerontologie an der TU Dortmund und war ehrenamtlich in der gerontologischen Politik- und Praxisberatung engagiert.
Forschung bedeutete für ihn stets auch Verantwortung. Alter und Altern sah er nicht als Defizit, sondern als gestaltbare Lebensphase. Mit analytischer Schärfe, sozialpolitischem Weitblick und einer unverwechselbaren Klarheit in der Argumentation setzte er sich beharrlich für Rahmenbedingungen ein, die Teilhabe ermöglichen, mit denen Ungleichheiten abgebaut und Strukturen gestärkt werden, die solidarisch sind.
Diese Haltung, Klarheit und festen Überzeugungen, mit denen er eine solidarische Gesellschaftsgestaltung im Blick hatte, werden wir vermissen. Wir haben ihn als sehr zugewandten und offenen Geist kennengelernt, der diskussionsfreudig an der Weiterentwicklung von Strukturen gearbeitet hat. Er hat viele wegweisende Spuren hinterlassen und wir fühlen uns als KDA verpflichtet, uns ebenso beharrlich für Rahmenbedingungen einzusetzen, in denen Teilhabe verbessert und Ungleichheiten abgebaut werden.
Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gelten seiner Familie.
Im Namen des Aufsichtsrats, des Kuratoriums und der Mitarbeitenden
Alexia Zurkuhlen
