Kostenloser, anonymer Selbsttest in elf Sprachen zeigt realistisch, was die Pflegeausbildung in Deutschland bedeutet
Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) veröffentlicht den „Berufsorientierenden Entscheidungskompass“. Das Online-Tool richtet sich insbesondere an junge Menschen aus Drittstaaten, die überlegen, eine Pflegeausbildung in Deutschland zu beginnen. In rund 15 Minuten setzen sie sich mit 60 Fragen zum Pflegeberuf und zum Leben in Deutschland auseinander. Der Kompass ist ab sofort kostenlos unter www.faire-anwerbung-pflege-deutschland.de/entscheidungskompass verfügbar.
Der Kompass beschreibt in 19 Themenbereichen realistisch, was auf künftige Auszubildende zukommt. Dazu gehören der Aufbau der dreijährigen generalistischen Ausbildung, Lernaufwand und Prüfungen, die Ausbildungsvergütung und die hohen Lebenshaltungskosten in Deutschland. Auch Themen, die selten offen angesprochen werden, haben ihren Platz: körpernahe Pflege auch bei Menschen des anderen Geschlechts, der Umgang mit Wunden und Ausscheidungen, die Begleitung Sterbender, Schichtdienst, Heimweh und die Anforderungen an die deutsche Sprache.
Am Ende steht bewusst kein Punktwert und kein „Bestanden“. Stattdessen zeigt die Auswertung, in welchen Themen sich die Person schon sicher ist, und wo nicht. Das Ergebnis lässt sich als PDF speichern und als Grundlage für Gespräche mit Familie, Freunden, Vermittlungsagentur oder künftigem Arbeitgeber nutzen.
Anonym und ohne Einfluss auf die Vermittlung
Der Selbsttest ist vollständig anonym. Die Antworten bleiben ausschließlich auf dem Gerät der Nutzer, werden weder gespeichert noch weitergegeben und haben keinen Einfluss auf Auswahl- oder Vermittlungsentscheidungen. Der Kompass ist ausdrücklich kein Bewerbungsformular.
„Wer sich für eine Pflegeausbildung in Deutschland entscheidet, trifft eine Entscheidung für viele Jahre – oft weit weg von Familie und Freunden. Diese Entscheidung sollte auf einem realistischen Bild beruhen. Der Entscheidungskompass soll jungen Menschen helfen, ehrlich zu prüfen, ob dieser Weg zu ihnen passt. Das ist auch ein Beitrag zu fairer Anwerbung und zu weniger Ausbildungsabbrüchen“, sagt Maike Effing, wissen-schaftliche Mitarbeiterin im KDA und für die Ausweitung des Gütesiegels zuständig.
„Faire Anwerbung beginnt nicht erst mit dem Arbeitsvertrag, sondern mit guter Information und die muss dort ankommen, wo junge Menschen sich heute austauschen: online, in ihrer eigenen Sprache und in ihrem eigenen Tempo. Genau das leistet der Entscheidungskompass. Junge Menschen können das Tool jederzeit auf ihrem eigenen Gerät nutzen, anonym und ohne Druck. Damit gehen wir einen wichtigen Schritt in die Zukunft: Wir gehen auf die jungen Menschen zu und stärken sie darin, selbstbestimmt über ihren Weg zu entscheiden. Davon profitieren am Ende alle – die Auszubildenden, die Einrichtungen und nicht zuletzt die Pflege in Deutschland“, ist sich Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des KDA, sicher.
Mehrsprachig und frei nutzbar
Der Kompass steht in elf Sprachen zur Verfügung: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Arabisch, Russisch, Ukrainisch, Vietnamesisch, Türkisch und Farsi. Er wurde vom KDA erarbeitet, von Expertinnen und Experten aus verschiedenen Institutionen geprüft und der Gütegemeinschaft Anwerbung und Vermittlung von Pflegekräften aus dem Ausland (GAPA) zur Verfügung gestellt. Vermittlungsagenturen, Pflegeschulen, Arbeitgeber und Beratungsstellen sind eingeladen, den Link an interessierte junge Menschen weiterzugeben.
Der Entscheidungskompass auf einen Blick
- 60 Fragen in 19 Themenbereichen, Dauer ca. 15 Minuten
- Verfügbar in 11 Sprachen
- Auswertung ohne Punktwert, als PDF speicherbar
- Anonym, keine Datenspeicherung, kein Einfluss auf Vermittlungsentscheidungen
- Kostenlos unter www.faire-anwerbung-pflege-deutschland.de/entscheidungskompass
Hintergrund: Gütesiegel wird auf Ausbildungssuchende ausgeweitet
Der Anforderungskatalog des staatlichen Gütesiegels „Faire Anwerbung Pflege Deutschland“, dessen Inhaber das Bundesministerium für Gesundheit ist, wird derzeit weiterentwickelt. Mit der Weiterentwicklung ist das Kuratorium Deutsche Altershilfe per Gesetz beauftragt. Der Geltungsbereich des Gütesiegels wird mit Inkrafttreten des angepassten Gesetzes zum 1.1.27 auf die Anwerbung von Ausbildungssuchenden aus Drittstaaten ausgeweitet.
In mehreren Workshops haben Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Bereichen gemeinsam ein umfassendes Bild dieser Anwerbung erarbeitet. Ein Thema kam dabei immer wieder auf: die Berufsorientierung.
Anders als examinierte Pflegefachpersonen bringen junge Ausbildungssuchende meist keine praktische Erfahrung im Pflegeberuf mit. Pflegefachpersonen verstehen unter ihrem Beruf im Herkunftsland zwar mitunter etwas anderes als in Deutschland – sie haben aber bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung und praktische Erfahrung im medizinisch-pflegerischen Bereich. Jungen Menschen fehlt dies oft.
Fachkontakt: Maike Effing, wissenschaftliche Mitarbeiterin des KDA im Bereich Gütesiegel: maike.effing@kda.de
und Louisa Eggelmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin des KDA im Bereich Gütesiegel: louisa.eggelmann@kda.de
Medienkontakt: Solveig Giesecke, Pressesprecherin des KDA, Tel. +49 30 / 2218298 – 58
Mail solveig.giesecke@kda.de
