Wohnen 6.0 – Entwicklung und Erprobung eines zukunftsgerechten Konzeptes der Langzeitpflege“ (2021-2024)

Illustration Wohnen 6.0Spezielle Wohnangebote für Menschen mit hohem und lang andauerndem Pflegebedarf sind eine notwendige Säule in einem bedarfsgerechten Versorgungsystem. Aber wie sollen solche Wohnangebote gestaltet sein, damit die Bewohnerschaft dort gut leben und die Mitarbeitenden dort gut arbeiten können?

Die Vorstellungen, wie die Heimversorgung am besten zu gestalten ist, haben sich in den vergangenen Jahren verändert. In der Praxis bleiben die meisten Heimeinrichtungen jedoch trotz der Reformen weiterhin „Sonderwelten“, die in der Ausgestaltung von einem Träger bestimmt werden und damit der Selbstbestimmung der Bewohnerschaft und den Inklusionsbemühungen Grenzen setzen. Immer wieder wird daher die Auflösung der Heime und eine Ambulantisierung von Vollversorgungsangeboten gefordert. Einrichtungsträger haben darauf reagiert und ihre Einrichtungen im Sinne von „Verbundmodellen“ ambulantisiert. Zugleich haben sie damit die Verantwortung für die Sicherstellung der Sorge an die Betroffenen abgegeben. Praxiserfahrungen und Studien geben jedoch Hinweise, dass die Betroffenen und Angehörigen teilweise überfordert sind, die Verantwortung für die Sorgeleistungen tatsächlich alleine zu tragen.

Hier setzten die Überlegung des KDA zu einem neuen Leitbild für Langezeitpflegewohnangebote an. In seiner Tradition immer wieder Impulse für die Weiterentwicklung der stationären Pflege (siehe 1.-5. Heimgeneration) zu geben, bringt das KDA das Konzept „Wohnen 6.0“ ein. Nach diesem Konzept sollen alle am Sorgegeschehen Beteiligten nicht nur gemeinsam verantworten, sondern auch mehr gemeinsam entscheiden, wie das Leben und Arbeiten in Langzeitpflegewohnsettings zu gestalten ist. Es geht um mehr Demokratie in der Heimversorgung. Bewohnerschaft und Mitarbeitenden sollen sich mehr selbst- und mitverantwortlich in die Gestaltung ihres Wohnsettings einbringen und dabei unterstützt werden. Im Rahmen des Forschungsprojektes, das vom Deutschen Hilfswerk (DHW) gefördert wird und vom Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) bearbeitet wird, soll die Umsetzung von „Wohnen 6.0“ in ausgewählten Einrichtungen erprobt werden

Konzeptionelle Bausteine

1. Konzeptionierung von „Wohnen 6.0“

Ideenbuch (Eigenleistung KDA): Im Vorfeld hat das KDA in einem „Ideenbuch“ Vorschläge zur Weiterentwicklung der Langzeitpflege darlegen, als wissenschaftliche Fundierung für eine demokratischere Ausgestaltung der Langzeitpflege.

Diskussions-Foren: Auf dieser Basis werden vom KDA Diskussions-Foren initiiert – besetzt mit 10-12 allgemeinen Vertreterinnen und Vertretern von Pflegebedürftigen, Angehörigen, zivilgesellschaftlichen Akteuren, Leistungserbringern, Leistungsträgern -, die in drei „Denkrunden“ die konzeptionellen Eckpunkte für die Ausgestaltung von „Wohnen 6.0“ diskutieren.

2. Pilotierung von Wohnen 6.0

Umsetzungsbegleitung in 3 Piloten: In 3 konkreten Wohnprojekten sollen „Kollektive Lernwerkstätten“ (Sorgeparlamente) formiert werden, die einen Praxisplan für die Umsetzung von „Wohnen 6.0“ vor Ort entwickeln.

Desing Thinking Coaches: Die Pilot-Wohnprojekte werden vor Ort bei der Umsetzung von qualifizierten Design Thinking Coaches Diese sind Mitarbeitende der Piloten, die vom KDA zu Design Thinking Coaches weiterqualifiziert werden.

Fachliche Begleitung: Das KDA sichert durch Information, Beratung, Qualifizierung, Erfahrungsaustausch die fachliche Begleitung der Piloten.        

3. Evaluierung von Wohnen 6.0

Evaluation: Die Projektschritte werden systematisch vom KDA evaluiert, zum einen mittels Projektfortschrittberichten und zum anderen durch die Eruierung von Wirkungen mit   der double-difference Methode (vorher-nachher Vergleich sowie mit-ohne Vergleich).

4. Verbreitung von Wohnen 6.0

Arbeitshilfe: Das KDA wird die Erfahrungen bei der Umsetzung von „Wohnen 6.0“ in einer Arbeitshilfe für Praktiker aufbereiten.

Laufzeit:

Sept. 2021 – Aug. 2024

Förderer/Auftraggeber:

Deutsches Hilfswerk (DHW)

Kontakt:

Ursula Kremer-Preiß, Projektleitung
Telefon: +49 30 / 2218298-38
ursula.kremer-peiss@kda.de

Aktuelles zum Projekt

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